Eine kleine Stadt in Vermont. Viel Wald, freundliche Nachbarn, ruhige Straßen. Eigentlich genau der Ort, an dem man neu anfangen könnte. Nur hat Tall Pines ein Problem: Je länger man dort bleibt, desto weniger möchte man den freundlichen Menschen glauben, die ständig versichern, dass alles vollkommen in Ordnung sei.

Genau dort setzt Wayward – Unberechenbar an. Die Netflix-Miniserie von Mae Martin erschien 2025 und besteht aus acht Folgen. In Deutschland ist sie komplett bei Netflix verfügbar. Was zunächst nach einem Mystery-Thriller über eine merkwürdige Kleinstadt aussieht, wird ziemlich schnell unangenehmer.

Im Mittelpunkt steht die Tall Pines Academy, eine Einrichtung für Jugendliche, die Erwachsene als “schwierig” einstufen. Nach außen geht es um Therapie, Entwicklung und einen Neustart. Hinter verschlossenen Türen sieht die Sache anders aus.

Und dann ist da Evelyn Wade.

Toni Collette spielt die Leiterin der Academy so freundlich, ruhig und verständnisvoll, dass man ihr beinahe selbst einen Termin geben möchte. Zumindest für ungefähr fünf Minuten.

Wayward – Unberechenbar lebt genau von diesem Gefühl. Niemand rennt ständig mit einer Axt durch den Wald. Viel unheimlicher ist, dass viele Dinge zuerst vernünftig klingen.

Bis man etwas genauer hinschaut.

Die wichtigsten Fakten zu Wayward – Unberechenbar

FrageAntwort
OriginaltitelWayward
Deutscher TitelWayward – Unberechenbar
Veröffentlichung25. September 2025
Streaming in DeutschlandNetflix
Anzahl der Folgen8
FormatMiniserie
GenrePsychothriller, Mystery, Drama
SchöpferMae Martin
Zentrale StarsMae Martin, Toni Collette, Sarah Gadon
Zeit der Handlung2003
Zentraler SchauplatzDas fiktive Tall Pines in Vermont
Staffel 2 bestätigt?Nein, bisher nicht

Netflix führt Wayward weiterhin als Miniserie. Wer also auf eine klassische Serie mit fünf oder sechs Staffeln hofft, sollte das im Hinterkopf behalten.

Andererseits endet die Geschichte nicht so sauber, dass nach Folge acht jede Frage erledigt wäre. Dazu später mehr.

Worum geht es in Wayward?

Die Geschichte spielt 2003. Alex Dempsey zieht mit seiner schwangeren Partnerin Laura nach Tall Pines. Für Laura ist die Stadt kein unbekannter Ort. Alex dagegen muss sich erst einleben und beginnt als Polizist in der Gemeinde zu arbeiten.

Am Anfang wirkt Tall Pines fast zu angenehm.

Die Menschen kennen sich. Man hilft einander. Es gibt klare Regeln und dieses merkwürdige Kleinstadtgefühl, bei dem jeder schon weiß, was passiert ist, bevor man selbst davon gehört hat.

Dann begegnet Alex einem Jugendlichen, der offenbar aus der Tall Pines Academy geflohen ist.

Das passt nicht zu dem Bild, das die Einrichtung nach außen vermittelt.

Die Academy präsentiert sich als Ort für Teenager, die angeblich wieder Struktur brauchen. Dort soll ihnen geholfen werden, ihre Probleme zu verstehen, alte Muster loszulassen und erwachsener zu werden.

Klingt erst einmal vernünftig.

Aber es gibt einen Haken. Oder genauer gesagt: ziemlich viele.

Abbie und Leila sind das emotionale Zentrum der Geschichte

Parallel zu Alex lernen wir die Freundinnen Abbie und Leila kennen.

Die beiden leben zunächst in Toronto und sind genau das, was Erwachsene gern etwas dramatisch als “schwierige Teenager” bezeichnen. Sie schwänzen, testen Grenzen aus, streiten mit ihren Familien und treffen Entscheidungen, die nicht immer besonders clever sind.

Also Teenager.

Abbie landet schließlich gegen ihren Willen in Tall Pines. Leila versucht, ihre beste Freundin nicht einfach dort verschwinden zu lassen.

Von diesem Punkt an laufen die beiden wichtigsten Geschichten immer näher aufeinander zu: Alex versucht herauszufinden, was in der Stadt passiert, während Abbie und Leila die Academy von innen erleben.

Und was dort als Therapie verkauft wird, fühlt sich zunehmend wie Kontrolle an.

Das macht Wayward – Unberechenbar so unangenehm

Wayward setzt nicht auf klassischen Horror. Es gibt keine Monster, die jede Nacht aus einem See steigen. Das Unheimliche steckt in Strukturen.

Die Menschen in Tall Pines sprechen ruhig. Evelyn schreit nicht ständig. Die Academy arbeitet mit Ritualen, Gruppen, Belohnungen und einer Sprache, die auf den ersten Blick nach Persönlichkeitsentwicklung klingt.

Gerade das ist unangenehm.

  • Autorität wird als Fürsorge verkauft.
  • Kontrolle klingt plötzlich wie Therapie.
  • Jugendliche sollen ihren eigenen Erinnerungen misstrauen.
  • Gehorsam wird als persönliche Entwicklung dargestellt.
  • Kritik gilt schnell als Beweis dafür, dass jemand “noch nicht so weit” ist.
  • Erwachsene entscheiden, welche Gefühle angeblich gesund oder falsch sind.

Man kennt dieses Prinzip auch außerhalb von Thrillern. Sobald eine Gruppe jede Kritik als Bestätigung ihrer eigenen Theorie deutet, wird es schwierig, überhaupt noch zu widersprechen.

Wayward treibt dieses Muster ins Extreme.

Wer ist Evelyn Wade?

Evelyn Wade ist die Leiterin der Tall Pines Academy und wahrscheinlich die Figur, über die nach dem Schauen am meisten gesprochen wird.

Toni Collette spielt sie nicht wie eine typische Bösewichtin.

Evelyn lächelt. Sie hört zu. Sie merkt sehr schnell, was ein Mensch braucht und was er hören möchte. Bei Eltern vermittelt sie Sicherheit. Bei Jugendlichen tut sie so, als sei sie die erste Erwachsene, die sie wirklich versteht.

Das ist viel effektiver als offene Gewalt.

Denn Evelyn muss Menschen nicht immer zwingen. Oft schafft sie es, dass sie selbst glauben, die Entscheidung getroffen zu haben.

Und manchmal ertappt man sich beim Schauen sogar bei dem Gedanken, dass ein Teil ihrer Argumentation gar nicht völlig falsch klingt.

Dann passiert wieder etwas, das diesen Gedanken ziemlich schnell erledigt.

Warum Toni Collette perfekt für diese Rolle funktioniert

Mae Martin erklärte, dass Toni Collette beim Schreiben praktisch das Wunschbild für Evelyn gewesen sei. Das merkt man.

Collette kann innerhalb weniger Sekunden zwischen Wärme und Bedrohung wechseln, ohne ihre Stimme zu heben.

Eine Szene kann mit einem ruhigen Gespräch beginnen. Evelyn sitzt da, freundlich, aufmerksam, fast mütterlich. Dann verändert sich nur ein Blick oder eine Pause – und plötzlich möchte man sehr gern woanders sein.

Diese Mischung passt zur gesamten Serie.

Tall Pines sieht hübsch aus. Evelyn wirkt freundlich. Die Academy spricht von Heilung.

Und trotzdem sagt der eigene Instinkt ziemlich früh: Raus hier.

Der Cast von Wayward – Unberechenbar

DarstellerFigurRolle in der Geschichte
Mae MartinAlex DempseyPolizist, der die Geheimnisse von Tall Pines untersucht
Toni ColletteEvelyn WadeLeiterin der Tall Pines Academy
Sarah GadonLauraAlex’ schwangere Partnerin mit eigener Vergangenheit in Tall Pines
Sydney TopliffeAbbieTeenagerin, die gegen ihren Willen in der Academy landet
Alyvia Alyn LindLeilaAbbies beste Freundin
Brandon Jay McLarenAndrewsPolizist in Tall Pines
Tattiawna JonesRabbitMitarbeiterin der Academy
Joshua CloseDuckHochrangiger Mitarbeiter von Tall Pines
Patrick J. AdamsWyatt TurnerFigur aus der Vergangenheit von Abbie und Leila
Patrick GallagherChief BartellPolizeichef von Tall Pines

Besonders stark ist, dass die jüngeren Figuren nicht nur als Opfer neben den Erwachsenen stehen.

Abbie und Leila bekommen eigene Fehler, Widersprüche und schlechte Entscheidungen. Manchmal möchte man ihnen helfen. Manchmal möchte man den Fernseher anhalten und sagen: Bitte mach genau das jetzt nicht.

Das macht sie glaubwürdig.

Wayward spielt bewusst im Jahr 2003

Die Zeit ist kein Zufall.

2003 bedeutet: keine Smartphones in jeder Hosentasche, keine Standortfreigabe, keine schnellen Videos auf Social Media und keine Möglichkeit, innerhalb von zwei Minuten eine Einrichtung zu googeln und hundert Erfahrungsberichte zu lesen.

Wenn ein Jugendlicher irgendwohin gebracht wurde, war Kontakt zur Außenwelt viel leichter zu kontrollieren.

Das passt perfekt zur Geschichte.

Gleichzeitig nutzt die Serie die frühen 2000er nicht wie eine große Nostalgieshow. Natürlich gibt es Musik, Kleidung und kleine Details aus dieser Zeit. Aber niemand hält alle fünf Minuten einen alten MP3-Player in die Kamera und wartet darauf, dass Zuschauer ihn erkennen.

Die Zeit fühlt sich eher wie ein Teil der Figuren an.

Die Geschichte hinter der Idee ist teilweise real

Wayward ist keine wahre Geschichte und Tall Pines Academy existiert nicht als reale Schule.

Die Idee kommt aber nicht aus dem Nichts.

Mae Martin erzählte, dass eine enge Freundin im Alter von 16 Jahren in eine Einrichtung für sogenannte “troubled teens” geschickt wurde. Nach ihrer Rückkehr berichtete sie Martin von ihren Erfahrungen.

Das Thema blieb hängen.

Für die Serie wurde diese Freundin später sogar beratend einbezogen. Laut Martin arbeitete außerdem eine Person im Autorenteam, die selbst eine solche Einrichtung besucht hatte.

Wayward greift damit ein reales Thema auf, macht daraus aber bewusst einen fiktiven Thriller.

Was bedeutet “troubled teen industry” überhaupt?

Der englische Begriff bezeichnet ein Feld privater Programme und Einrichtungen, die Jugendliche mit Verhaltensproblemen, psychischen Belastungen, Suchtproblemen oder familiären Konflikten aufnehmen sollen.

Dazu können Internate, sogenannte therapeutische Schulen, Wilderness-Programme und andere Einrichtungen gehören.

Das heißt nicht, dass jede Form professioneller Jugendhilfe mit Tall Pines vergleichbar wäre. Das wäre viel zu pauschal.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen Einrichtungen, in denen problematische Methoden, Isolation, Machtmissbrauch oder fehlende Kontrolle beschrieben wurden.

Wayward nimmt diese realen Debatten und macht daraus eine sehr zugespitzte fiktive Version.

Mae Martin wollte keine einfache Gut-gegen-Böse-Geschichte

Das merkt man besonders bei Alex.

In einer gewöhnlichen Serie wäre Alex vielleicht der gute Polizist, der in eine böse Stadt kommt, die Wahrheit entdeckt und am Ende alle rettet.

Wayward macht es komplizierter.

Alex möchte dazugehören.

Gerade 2003 bedeutet Akzeptanz für Alex sehr viel. Tall Pines wirkt anfangs wie ein Ort, an dem niemand ständig erklärt, wie man sein sollte. Dieses Gefühl beeinflusst Entscheidungen – auch ziemlich schlechte.

Mae Martin bezeichnete Alex selbst als Figur, die gewissermaßen gemeinsam mit dem Publikum herausfindet, was eigentlich passiert.

Aber Wissen macht einen Menschen nicht automatisch mutig.

Das wird hier ziemlich deutlich.

Laura ist viel wichtiger, als es zunächst aussieht

Am Anfang könnte man Laura fast für die klassische Partnerfigur halten: Sie zieht mit Alex nach Tall Pines, ist schwanger und möchte sich dort ein neues Leben aufbauen.

Nur kommt Laura nicht zufällig zurück.

Sie hat selbst eine Geschichte mit der Academy.

Je mehr Alex über Tall Pines erfährt, desto wichtiger wird die Frage, was Laura damals erlebt hat und welche Verbindung sie noch immer zu Evelyn besitzt.

Damit verändert sich auch die Beziehung zwischen Alex und Laura.

Es geht plötzlich nicht mehr nur darum, ob Evelyn lügt.

Es geht darum, ob zwei Menschen dieselben Ereignisse überhaupt gleich bewerten.

Die acht Folgen lassen sich erstaunlich schnell schauen

Die Episoden liegen ungefähr im Bereich von 40 bis 50 Minuten. Die komplette Miniserie passt damit problemlos in ein Wochenende.

Die deutschen Folgentitel lauten:

  • Tall Pines
  • Graben
  • Durchbruch
  • Der Schlamm
  • Der Aufbau
  • Die Spiegel
  • Der Aufstieg
  • Der Sprung

Das Tempo steigt dabei langsam an.

Die erste Folge erklärt viel. Danach wird Tall Pines immer merkwürdiger und die Academy zunehmend bedrückend.

Spätestens in der zweiten Hälfte hat die Serie genug offene Fragen aufgebaut, dass “nur noch eine Folge” ziemlich leicht zu drei weiteren Folgen wird.

Ist Wayward Horror?

Netflix ordnet Wayward vor allem als Thriller und Mysteryserie ein. Klassischer Horror ist es nicht.

Trotzdem gibt es einige Szenen, die unangenehmer wirken als vieles in typischen Horrorserien.

Der Grund ist simpel: Ein Monster kann man als Monster erkennen.

Bei Evelyn ist das schwieriger.

Sie glaubt zumindest teilweise an das, was sie tut. Menschen um sie herum glauben ebenfalls daran. Tall Pines funktioniert nicht nur, weil eine einzelne Person Macht besitzt, sondern weil viele andere das System mittragen.

Das ist deutlich näher am echten Leben als ein Geist im Keller.

Der Humor überrascht – und passt trotzdem

Wer Mae Martin hauptsächlich aus Comedy oder Feel Good kennt, könnte erwarten, dass Wayward trotz des düsteren Themas ständig Witze macht.

Ganz so ist es nicht.

Aber die Serie ist stellenweise erstaunlich witzig.

Die Jugendlichen reagieren eben nicht wie Figuren in einem düsteren Prestige-Drama, die pausenlos bedeutungsvoll aus dem Fenster schauen.

Sie machen dumme Witze. Sie nerven einander. Sie lachen in Situationen, in denen Erwachsene vermutlich erwarten würden, dass sie ernst bleiben.

Das wirkt ziemlich menschlich.

Und gerade deshalb werden die ernsten Szenen stärker.

Für wen lohnt sich Wayward – Unberechenbar?

Die Serie passt besonders gut, wenn man Mystery mag, aber keine Geschichte möchte, die nur aus übernatürlichen Rätseln besteht.

  • Du magst Serien über idyllische Orte mit dunklen Geheimnissen.
  • Psychologische Manipulation findest du spannender als klassische Monster.
  • Du möchtest einen Thriller mit überschaubaren acht Folgen.
  • Du magst Toni Collette in unangenehm intensiven Rollen.
  • Du hast Spaß an moralisch widersprüchlichen Figuren.
  • Du willst nach dem Finale noch etwas zum Diskutieren haben.

Wer dagegen jede Geschichte mit einer klaren Antwort auf jede einzelne Frage beendet haben möchte, könnte das Finale etwas frustrierend finden.

Wayward möchte gar nicht vollkommen sauber sein.

Achtung, ab hier folgen Spoiler zum Ende

Wer die Serie noch nicht fertig geschaut hat, sollte direkt zum FAQ springen.

Das Finale macht nämlich etwas Interessantes: Es bietet Fluchtmöglichkeiten, aber keinen klassischen großen Sieg.

Evelyn verliert die Kontrolle über die Situation. Die Jugendlichen versuchen, Tall Pines zu verlassen, und für kurze Zeit wirkt es, als könne Alex ebenfalls endlich die Stadt hinter sich lassen.

Doch die Entscheidungen fallen nicht so aus, wie man es bei einem typischen Thriller erwarten würde.

Abbie kann Tall Pines verlassen. Leila entscheidet sich dagegen.

Alex bleibt ebenfalls.

Gerade diese Entscheidung ist entscheidend für das Gefühl des Finales. Die Serie sagt nicht einfach: Wahrheit entdeckt, Kult besiegt, alle fahren glücklich nach Hause.

Menschen bleiben bei Dingen, obwohl sie wissen, dass etwas falsch läuft.

Manchmal aus Angst. Manchmal aus Liebe. Manchmal aus dem Wunsch, irgendwo dazuzugehören.

Und manchmal können sie selbst nicht genau erklären, warum.

Was ist der “Leap”?

Der sogenannte Leap ist eine zentrale Methode der Tall Pines Academy.

Die Schüler durchlaufen verschiedene Stufen, die nach außen wie persönliche Entwicklung wirken. Wer weit genug kommt, erhält die Möglichkeit zum Leap.

Im Verlauf der Serie wird klar, dass Evelyn dabei mit psychoaktiven Substanzen arbeitet. Die Wirkung soll traumatische Bindungen und emotionalen Schmerz verändern.

Aber die Sache hat einen Preis.

Die Veränderung betrifft nicht nur Schmerz.

Sie greift viel tiefer in die emotionale Verbindung eines Menschen ein.

Damit wird deutlich, was Evelyn eigentlich tut: Sie verspricht Befreiung von Trauma, entscheidet dabei aber selbst, welche Teile eines Menschen verschwinden dürfen.

Ist Evelyn am Ende tot?

Das wird nicht eindeutig bestätigt.

Evelyn wird mit ihrer eigenen Methode außer Gefecht gesetzt. Die Serie lässt ihren endgültigen Zustand aber offen.

Das ist einer der Gründe, weshalb nach dem Finale sofort Fragen nach Wayward Staffel 2 aufgekommen sind.

Eine Rückkehr wäre erzählerisch möglich.

Eine Bestätigung gibt es allerdings nicht.

Kommt Wayward Staffel 2?

Stand Ende August 2026 hat Netflix keine zweite Staffel offiziell angekündigt.

Wayward wurde als Miniserie entwickelt und wird weiterhin als solche geführt.

Das spricht zunächst gegen eine klassische Fortsetzung.

Allerdings hat Mae Martin nach der Veröffentlichung offen gesagt, dass es durchaus weitere Geschichten mit diesen Figuren geben könnte. Das Finale wurde bewusst nicht so geschrieben, dass jeder Konflikt endgültig erledigt ist.

Damit ist die Situation etwas ungewöhnlich.

Die erste Staffel funktioniert als abgeschlossene Miniserie. Gleichzeitig gäbe es problemlos Stoff für eine Fortsetzung.

Solange Netflix nichts ankündigt, sollte man aber nicht mit erfundenen Startterminen arbeiten. Ein Datum für Wayward Staffel 2 existiert derzeit nicht.

Warum die Serie nach acht Folgen trotzdem weiterarbeitet

Der interessanteste Gedanke kommt eigentlich erst nach dem Abspann.

Was ist überhaupt Hilfe?

Wann wird Erziehung zu Kontrolle?

Wann ist ein Mensch berechtigt, eine andere Person gegen deren Willen “besser” machen zu wollen?

Und was passiert, wenn Erwachsene überzeugt sind, dass sie allein wissen, was für Jugendliche richtig ist?

Wayward gibt darauf keine einfache Antwort.

Natürlich überschreitet Tall Pines klare Grenzen. Trotzdem beginnt vieles mit einem Argument, das Erwachsene nachvollziehen können: Wir wollen helfen.

Genau darin steckt der unangenehme Teil.

FAQ zu Wayward – Unberechenbar

Wo kann man Wayward – Unberechenbar in Deutschland sehen?

Die komplette Miniserie ist in Deutschland bei Netflix verfügbar. Dort stehen alle acht Folgen zum Streaming bereit.

Wie viele Folgen hat Wayward?

Wayward – Unberechenbar besteht aus acht Episoden. Die Folgen dauern ungefähr 40 bis 50 Minuten.

Ist Wayward eine wahre Geschichte?

Nein. Tall Pines und die Hauptfiguren sind fiktiv. Mae Martin ließ sich aber von realen Erfahrungen und Berichten über Einrichtungen für sogenannte “troubled teens” inspirieren.

In welchem Jahr spielt Wayward?

Die Handlung spielt 2003. Die frühen 2000er sind wichtig, weil Jugendliche damals deutlich weniger Möglichkeiten hatten, schnell Kontakt nach außen aufzunehmen oder Informationen über Einrichtungen online zu prüfen.

Wer spielt Evelyn in Wayward?

Toni Collette spielt Evelyn Wade, die charismatische Leiterin der Tall Pines Academy. Mae Martin erklärte, dass Collette bereits beim Schreiben die Wunschbesetzung für die Rolle war.

Wird es Wayward Staffel 2 geben?

Eine zweite Staffel ist Stand Ende August 2026 nicht offiziell bestätigt. Netflix führt Wayward weiterhin als Miniserie. Mae Martin hat jedoch deutlich gemacht, dass die Geschichte grundsätzlich weitergeführt werden könnte.

Ist Wayward – Unberechenbar sehenswert?

Wer psychologische Thriller, Mystery, moralisch graue Figuren und düstere Kleinstadtgeschichten mag, bekommt mit acht Folgen eine kompakte Serie. Wer dagegen ein komplett eindeutiges Ende erwartet, sollte mit einigen offenen Fragen rechnen.

Fazit: Wayward – Unberechenbar bleibt länger im Kopf als gedacht

Wayward beginnt fast harmlos.

Ein neuer Polizist kommt in eine kleine Stadt. Eine Schule wirkt etwas merkwürdig. Zwei Teenager wollen weg.

Dann verschiebt sich Stück für Stück die Perspektive.

Man merkt, dass Tall Pines nicht nur wegen Evelyn funktioniert. Die ganze Stadt hat sich mit bestimmten Regeln arrangiert. Menschen sehen Dinge und erklären sie sich so lange schön, bis sie wieder in ihr Bild passen.

Das macht die Serie stärker als einen normalen Thriller über eine böse Internatsleiterin.

Toni Collette ist dabei die offensichtlichste Attraktion. Ihre Evelyn kann in einer Szene fast beruhigend wirken und wenige Minuten später so unangenehm sein, dass ein freundliches Lächeln plötzlich schlimmer aussieht als eine offene Drohung.

Aber Wayward – Unberechenbar lebt genauso von Abbie und Leila.

Ihre Freundschaft verhindert, dass die Serie nur zu einem Rätselspiel für Erwachsene wird. Für sie geht es nicht darum, einen interessanten Fall zu lösen. Sie sitzen mitten darin.

Und Mae Martin gibt Alex genug Fehler, damit auch die vermeintliche Retterfigur nicht bequem wird.

Genau das passt zur Idee der Serie.

Fast niemand ist einfach nur eine Sache.

Menschen können Opfer sein und trotzdem andere verletzen. Sie können helfen wollen und dabei Grenzen überschreiten. Sie können genau erkennen, dass etwas falsch ist – und trotzdem bleiben.

Das Finale macht diesen Gedanken besonders deutlich.

Es gibt keinen großen Moment, nach dem Tall Pines plötzlich zu einer normalen Kleinstadt wird. Manche Menschen gehen. Andere bleiben. Manche haben verstanden, was passiert ist. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie daraus dieselben Konsequenzen ziehen.

Und vielleicht fühlt sich Wayward gerade deshalb ungewöhnlich an.

Die Serie versucht nicht, jede Minute maximal schockierend zu machen. Sie lässt das Unbehagen langsam wachsen.

Ein nettes Gespräch hier. Eine komische Regel dort. Eine Person, die etwas ein bisschen zu begeistert erklärt. Und irgendwann stellt man fest, dass praktisch niemand mehr frei entscheidet.

Wer nach Wayward – Unberechenbar sucht und überlegt, ob sich die acht Folgen lohnen, bekommt also keine typische Teen-Serie und auch keinen klassischen Internatshorror.

Es ist eher ein Psychothriller über Macht, Zugehörigkeit und den Wunsch, andere Menschen zu reparieren.

Und über eine Frage, die erstaunlich schwer zu beantworten ist:

Wenn dir jemand verspricht, deinen Schmerz vollständig verschwinden zu lassen – wie viel von dir selbst wärst du bereit, dafür abzugeben?

Tall Pines hat darauf eine Antwort.

Nach acht Folgen ist man nur nicht mehr besonders sicher, ob man sie hören möchte.


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